Warum am Ende niemand über das Ergebnis sprach

Von | 25. Juli 2026

Warum am Ende niemand über das Ergebnis sprach

Die neue Paul-Maar-Halle ist eröffnet – und Schweinfurt hat erlebt, dass ein Handballspiel weit mehr sein kann als ein Blick auf die Anzeigetafel.

Ein Auftakt, der Gänsehaut machte

Die Uhr war gerade erst angelaufen, als die neue Paul-Maar-Halle zum ersten Mal bebte. Im allerersten Angriff der Wölfe Würzburg tauchte ein Gästespieler frei vor dem Tor auf. MHV-Keeper Lukas Fiedler riss reflexartig den Arm hoch und parierte. Die Zuschauer sprangen von ihren Plätzen, applaudierten lautstark und feierten die Parade, als wäre gerade das entscheidende Tor gefallen.

Dabei stand es noch 0:0.

Spätestens in diesem Moment war klar: Dieser Abend würde nicht über das Ergebnis in Erinnerung bleiben.

Ein neues Kapitel für den Schweinfurter Handball

Mit der offiziellen Einweihung der Paul-Maar-Halle schlug der MHV Schweinfurt 09 ein neues Kapitel seiner Vereinsgeschichte auf. Nach den Grußworten des Vorsitzenden Manuel Schmitt sowie der Zweiten Bürgermeisterin Christiane Michal-Zaiser war die Vorfreude in der bis auf den letzten Platz gefüllten Halle greifbar. Nur wenige Wochen vor dem Saisonstart der Bezirksoberliga hatte der MHV bewusst ein sportliches Highlight organisiert. Mit den Wölfen Würzburg um Trainer Dragos Oprea, ehemaliger Zweitligist und aktuelles Spitzenteam der 3. Liga, gastierte ein Gegner in Schweinfurt, der sportlich zu den besten Mannschaften Bayerns zählt.

Bereits der Einlauf der Mannschaften sorgte für Gänsehaut. Zahlreiche Nachwuchsspieler des MHV begleiteten beide Teams auf das Spielfeld, klatschten ihre Vorbilder ab und feuerten sie anschließend lautstark von der Seitenlinie an. Ein Bild, das sinnbildlich für den Weg des Vereins steht. Die Jugendarbeit wächst kontinuierlich und soll auch künftig das Fundament des Schweinfurter Handballs bilden.

Ein Gegner auf Topniveau

Sportlich ließen die Gäste von Beginn an keinen Zweifel an ihrer Klasse. Die Mannschaft von Dragos Oprea überzeugte mit kompromissloser Abwehrarbeit, enormer körperlicher Präsenz und beeindruckendem Tempospiel. Kaum war ein Angriff abgeschlossen, rollte bereits die nächste Angriffswelle auf das Schweinfurter Tor zu. Immer wieder schienen die Würzburger einen Schritt schneller zu sein – in der Defensive, im Umschaltspiel und auch im Positionsangriff.

Wie groß der Klassenunterschied tatsächlich war, brachte MHV-Rückraumspieler Christian Fey in der Halbzeit mit einem Augenzwinkern auf den Punkt:

„Es fühlt sich an, als würden die Wölfe mit neun Mann auf dem Feld stehen.“

Ein Satz, der in der Kabine für Schmunzeln sorgte, die Kräfteverhältnisse auf dem Spielfeld aber treffend beschrieb.

Mehr als nur ein Ergebnis

Doch genau darin lag der besondere Reiz dieses Abends. Die Mannschaft von Christopher Früh versteckte sich nicht. Jeder Ball wurde umkämpft, jeder gelungene Angriff von den Zuschauern gefeiert. Zwölf Tore gegen einen Gegner dieser Qualität waren alles andere als selbstverständlich. Felix Rother verwandelte zwei von Jan Scholich und Tobias Karl herausgeholte Siebenmeter sicher, während Christian Fey mit einer sehenswerten Rückraumkanone selbst für einen der lautesten Jubelmomente des Abends sorgte.

Auch defensiv zeigte der MHV immer wieder, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Gelang der schnelle Rückzug, stand die Abwehr kompakt und zwang selbst den Drittligisten immer wieder dazu, geduldig nach Lösungen zu suchen.

Trainer Christopher Früh blickte deshalb trotz der deutlichen Niederlage positiv auf den Abend zurück:

„Ich fand den Zusammenhalt des Teams beeindruckend. Von der Organisation dieses Tages über die 60 Minuten auf dem Spielfeld bis hin zum gemeinsamen Aufräumen bis tief in die Nacht hinein.“

Besonders die Defensivleistung hob der Schweinfurter Trainer hervor:

„Außerdem haben wir in der gebundenen Abwehr gut gearbeitet und die Wölfe häufig 30 bis 40 Sekunden konsequent verteidigt, bevor sie zu einem freien Abschluss gekommen sind.“

Gewinner des Abends

Am Ende stand ein deutliches 12:45 auf der Anzeigetafel. Doch in der ausverkauften Paul-Maar-Halle sprach nach dem Schlusspfiff kaum jemand darüber. Stattdessen standen die Kinder Schlange für Fotos und Autogramme, Fans kamen mit den Spielern der Wölfe ins Gespräch und überall war zu spüren, dass hier etwas Besonderes entstanden war.

Ein herzliches Dankeschön gilt deshalb auch den Wölfen Würzburg. Mit ihrer offenen und familiären Art machten sie den Abend nicht nur sportlich, sondern auch menschlich zu einem besonderen Erlebnis. Ob Gespräche mit den Fans, Fotos mit den Kindern oder der freundschaftliche Austausch nach dem Spiel – die Mannschaft von Dragos Oprea zeigte eindrucksvoll, dass Spitzenhandball und Bodenständigkeit hervorragend zusammenpassen.

Mindestens genauso groß war der Anteil der vielen Ehrenamtlichen des MHV. Vom Aufbau über die Organisation und Bewirtung bis hin zum Abbau packten Jugendspieler, Eltern, Vereinsmitglieder und der Freundeskreis gemeinsam an. Gerade in einer Zeit, in der ehrenamtliches Engagement keine Selbstverständlichkeit mehr ist, setzte der Verein damit ein starkes Zeichen. Das Lob von Christopher Früh für den außergewöhnlichen Zusammenhalt bezog sich deshalb nicht nur auf seine Mannschaft, sondern auf den gesamten Verein.

Das nächste Kapitel beginnt

So wurde die Halleneinweihung weit mehr als ein Freundschaftsspiel. Sie wurde zum Symbol für den Aufbruch des Schweinfurter Handballs.

Die neue Paul-Maar-Halle hat ihre Feuertaufe bestanden. Sie war an diesem Abend nicht nur Austragungsort eines Handballspiels, sondern ein Ort voller Emotionen, Gemeinschaft und Begeisterung.

Und genau deshalb sprach am Ende niemand über das Ergebnis. Sondern über das Erlebnis.

Die erste Gelegenheit, dieses Erlebnis erneut zu erfahren, bietet sich bereits zum Saisonauftakt der Bezirksoberliga. Am Samstag, 19. September, lädt der MHV Schweinfurt 09 zum großen Heimspieltag in die Paul-Maar-Halle ein. Höhepunkt ist das Heimspiel der Herren um 18 Uhr gegen die TG Heidingsfeld.

Wer an diesem Abend dabei war, weiß: Handball muss man erleben.